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Desel, Jochen / Flick, Andreas: Sie hatten Calvin im Gepäck

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Mavius, Götz: Die Evang.-reform. Gemeinden in Stade, Hamburg u. Altona.

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Mavius, Götz: Die Evang.-reform. Gemeinden in Stade, Hamburg u. Altona.

"Die Evangelisch-reformierten Gemeinden in Stade, Hamburg und Altona. Ihre Pastoren und Kirchen 1588-2007."

Herausgegeben und bearbeitet von Andreas Flick, Jennifer Kaminski und Dorothee Löhr (= Geschichtsblätter der Deutschen Hugenotten-Gesellschaft e.V., Bd. 41)

160 Seiten m. Abbildungen, Verlag der Deutschen Hugenotten-Gesellschaft Bad Karlshafen, 2007

ISBN 978-3-930481-23-1

Verfasser dieses Buch ist der Historiker Götz Mavius, der ein Gemeindeglied der Evangelisch-reformierten Kirche in Hamburg war. Sein fast fertiges Manuskript war bei seinem Tod im Jahre 1988 liegen geblieben. Nun erschien es in überarbeiteter und aktualisierter Gestalt anlässlich des 45. Deutschen Hugenottentages als Band 41 in der Reihe der Geschichtsblätter der Deutschen Hugenotten-Gesellschaft. Die reformierte Hamburger Gemeindegeschichte ist durch die Spaltungen und Wiedervereinigungen im Laufe der Geschichte unübersichtlich. Das gemeindliche Leben begann nicht in Hamburg, sondern mit Gottesdiensten in drei Sprachen 40 Kilometer elbabwärts in Stade (Reformierte Gemeinde in Stade 1588-1601/1627).

Ab 1601 mit dem Privileg des Grafen Ernst von Schauenburg durften sich die reformierten Glaubensflüchtlinge aus den Niederlanden und aus Frankreich wie die Katholiken und die Juden auf der Kleinen Freiheit in Altona versammeln (Reformierte Gemeinde in Hamburg und Altona 1601-1686), wo zwei Kirchgebäude gebaut wurden. Die reformierten Niederländer assimilierten sich sprachlich sehr schnell. Französischsprachige Gottesdienste wurden in Altona bzw. Hamburg durchgehend bis 1976 gefeiert. Die erste Gemeindespaltung 1686 verlief nach knapp hundert gemeinsamen Jahren an der Sprachgrenze zwischen den deutsch-reformierten (1686-1716) und den französisch-reformierten Gemeindegliedern (1686-1761). Die zweite und die dritte Spaltung 1716 und 1761 verliefen an der Grenze zwischen Altona und Hamburg, so dass in den Grenzen des heutigen Hamburg zeitweise vier verschiedene reformierte Gemeinden nebeneinander existierten: Deutsch-reformierte Kirche in Hamburg 1716-1976, Deutsch-reformierte Kirche in Altona 1716-1831, Französisch-reformierte Kirche in Altona 1761-1831 und Französich-reformierte Kirche in Hamburg 1761-1976. Die französisch-reformierte Spaltung folgte dabei 45 Jahre später als die der deutschsprachigen. Im 19. Jahrhundert vereinigten sich die Altonaer zur Evangelisch-reformierten Gemeinde in Altona (1831-1976) ohne ein weiteres französischsprachiges Gottesdienstangebot. Eine reformierte Schule existierte lückenlos von 1602 bis 1896. Bis heute findet man ein reformiertes Gräberfeld auf dem Altonaer Friedhof.

Doch erst seit 1976 gibt es als Rechtsnachfolgerin aller reformierten Einzelkirchen im heutigen Stadtgebiet die Evangelisch-reformierte Kirche in Hamburg mit drei Gottesdienststellen in Altona, Hamburg-Zentrum und im Altenhof im Winterhuder Weg für alle Reformierten zwischen Lübeck, Lüneburg und Bremen. Die Bearbeiter haben den Textteil über die Kirchen- und Schulgebäude (einschließlich des Altenhofs und der Englisch-reformierten Kirche) aktualisiert und durch einen umfassenden Bildteil ergänzt, der erstmals einen weithin umfassenden Überblick über die zahlreichen Kirchengebäude der Hamburger Reformierten bietet. Ein Großteil der Bilddokumente wurde erstmals publiziert. Allerdings fehlen sowohl beim Bildteil als auch im Text die vielen verschiedenen Pfarrhäuser, Wohnhäuser und Freizeitheime der Gemeinde.

Die Pastorenliste wurde auf den heutigen Stand der Forschung gebracht (u.a. durch umfangreiche Internetrecherchen zu den Publikationen der Pastoren) und bis 2007 fortgeschrieben. Schon beim schnellen Blättern durch Mavius’ Arbeit wird deutlich, dass die Hamburger Pastorenschaft zum Teil eindrucksvoll humanistisch gelehrt und international zusammengewürfelt das reformierte Netzwerk Europas repräsentiert. Die Hamburger reformierten Pastoren haben nicht nur gepredigt, sondern auch Bücher in lateinischer, niederländischer, französischer und deutscher Sprache verfasst. Sie kamen wie ihre Gemeindeglieder aus Frankreich, der Schweiz, Holland, aus Hessen, Brandenburg, Lippe, Pfalz, Bremen und zogen nach Istanbul, Locarno, London, Amsterdam und Wuppertal weiter. Einer hatte nebenbei ein Chemielabor (de la Fontaine), ein anderer einen Bauernhof (Führer), zwei waren gleichzeitig auch Pastor der Herrnhuter Brüdergemeine (Siebörger, Bernhard), einer wurde katholisch, einer lutherisch, einige kamen aus Unionskirchen, viele waren vorher oder nachher als Lehrer an Schulen und Universitäten tätig. Ihre Namen und Werke verraten den europäisch-vielsprachigen aufgeklärten liberalen Bildungshintergrund der Gemeinde. So kommt ein buntes Bild zustande, das hoffentlich noch weitere Forschungen anregt.

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Diesen Artikel haben wir am Sonntag, 10. März 2013 in unseren Katalog aufgenommen.